03. Okt 2019

SIG hat sich verpflichtet, Kompensationsmassnahmen für den Bau von Genilac durchzuführen. Jeder Baum, der für eine Baustelle gefällt wird, wird durch einen einheimischen Baum ersetzt. ©Bild: Magaly Girardin

Genilac: Kühlen und Heizen mit Wasser aus dem Genfer See

(ee-news.ch) Die Genfer Industriewerke SIG werden das thermoökologische Netzwerk Genilac realisieren, laut SIC das grösste, das jemals in Genf erstellt wurde. Dazu will SIG ein 30 Kilometer langes unterirdisches Netz bauen, das sich vom Zentrum Genfs bis zum Viertel Etang in Meyrin erstrecken und den Flughafenbereich sowie Vernier, Grand-Saconnex, Bellevue und Pregny-Chambésy versorgen soll. (Texte en français >>)


Auf der linken Seeseite wird sich dieses Netzwerk bis zum PAV-Viertel, Praille Acacias Vernet und Universitätsspital (HUG) erstrecken. Die Arbeiten werden bis 2035 andauern. Die Baukosten für Genilac werden auf 800 Millionen Franken geschätzt.

Kühlen und Heizen mit Wasser aus dem Genfer See
Dem Genfersee wird in einer Tiefe von 45 Metern Wasser mit einer Durchschnittstemperatur von etwa 7 Grad entnommen. Dieses wird dann zu einer Pumpstation transportiert, fliesst durch einen Wärmetauscher und gelangt durch unterirdische Leitungen zu den angeschlossenen Gebäuden. Durch dieses System sollen Klimaanlagen ersetzt und der Stromverbrauch der Kälteerzeugung um 80 % reduziert werden.

Mit dem hydrothermalen Netz können die angeschlossenen Gebäude auch beheizt werden. Die Heizkessel, die mit fossilen Brennstoffen betrieben werden, werden dann durch eine Wärmepumpe ersetzt. Bis 2035 soll Genilac die CO2-Emission um 70‘000 Tonnen pro Jahr reduzieren. Der Kanton Genf hat sich zum Ziel gesetzt, den Verbrauch fossiler Brennstoffe bis 2023 pro Einwohner um 39 % zu senken, insbesondere dank Genilac und der Geothermie.

Start der Bauarbeiten bereits 2015
Genilac ist die Erweiterung des ersten hydrothermalen Netzwerks Genève-Lac-Nations (GLN), das vor 10 Jahren in Betrieb genommen wurde. Das GLN kühlt die UNO, das IKRK und das UNHCR, einschliesslich des Internationalen Konferenzzentrums Genf (CICG) und des Biotech-Campus. Die Expansionsarbeiten von Genilac begannen 2015 im Stadtzentrum. Acht Gebäude sind bereits angeschlossen, darunter das Bucherer. In einem Jahr reduzierte der Juwelier seinen Stromverbrauch für die Kühlung des Gebäudes um 24‘000 kWh und reduzierte den Ausstoss von rund 22 Tonnen CO2 aus der Heizung.

Die Pumpstation Vengeron
Um das Netz von unterirdischen Rohrleitungen zu versorgen, baut SIG gerade ein neues Pumpwerk in Le Vengeron. Es wird unterirdisch gebaut. In einer Tiefe von 17 Metern, was 7 unterirdischen Stockwerken entspricht, werden Rohre von fast 2 Metern Durchmesser verlegt. In dieser Pumpstation werden Saugpumpen, Filter und Wärmetauscher untergebracht. 45 Meter unter der Wasseroberfläche des Genfersees werden Schmutzfänger, d. h. Kugelfilter installiert. Die Arbeiten begannen im Februar 2019 und werden 2022 abgeschlossen sein.

SIG hat sich verpflichtet, Kompensationsmassnahmen für den Bau von Genilac durchzuführen. Jeder Baum, der für eine Baustelle gefällt wird, wird durch einen einheimischen Baum ersetzt. Darüber hinaus werden am Ufer des Genfersees eine Vogelinsel und ein 1500 m2 grosses Schilfbeet errichtet.

Text: ee-news.ch, Quelle: SIG

1 Kommentare
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Max Blatter @ 04. Okt 2019 10:57

"Thermoökologisches Netzwerk"? Na ja, ob es hilfreich ist, wenn jeder Netzbetreiber seine eigenen blumigen Bezeichungen einführt? In der Fachwelt sind thermische Netze, die mit einer Temperatur nahe der Umgebungstemperatur betrieben werden, als "Anergienetze" bekannt. Bei der hier vorliegenden Temperatur von 7°C (die ohne Kältemaschine direkt zur Kühlung geeignet ist), spricht man genauer von einem "kühlfähigen Anergienetz". Wenn wir alle dieselben Begriffe verwenden, ist dies dem Verständnis und somit der Akzeptanz solcher Systeme sicher förderlicher als ein sprachlicher Wildwuchs!

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