Jacques Mauron: „Unsere Nachbarländer werden den grössten Teil ihrer Winterstromproduktion selbst verbrauchen, darunter auch den Strom aus Windkraftanlagen.“

Die Standorrte Gibloux-Massiv, Côte du Glâney, Collines de la Sonnaz und Monts de Vuisternens sind gesetzt. Für die Windparks (36-42 GWh/Jahr). Schwyberg, Surpierre-Cheiry und Autour de l’Esserta liegt ein Zwischenergebnis vor. Bild: Kanton Freiburg

Serge Boschung : « nicht in Konflikt zu anderen überwiegenden Interessen auf nationaler oder Freiburger Ebene. »

Olivier Curty: „Es brauchte 20 Jahre, um alle Voraussetzungen zu schaffen, die für die Realisierung der ersten Windenergieanlagen im Kanton Freiburg erforderlich sind.“

Christian Pittet fest, der stellvertretende Gemeindepräsident der Gemeinde Vuisternens-devant-Romont: „Warum nicht auch Windenergieanlagen installieren, die gleichzeitig eine gute Sache sein könnten, um den Tourismus zu entwickeln?“

Stufe 1 und 2 sind geschafft. Nun müssen der Raumentwicklungspläne der betroffenen Gemeinden geändert und die Baubewilligungsbesuch eingereicht werden, gegen die natürlich auch Beschwerden eingereicht werden können. Bild: Kanton Freiburg

Kanton Freiburg: 30 Windenergieanlagen sollen 2030 Winterstrom produzieren und Solar- und Wasserkraft ergänzen

(Suisse Eole/ee-news.ch) „Vor dem Hintergrund des Atomausstiegs und der im Winter geringeren Produktion von Solarenergie und Wasserkraft kann die Windenergie genau dann erneuerbaren Strom liefern, wenn wir am meisten Strom verbrauchen“, erklärte Jacques Mauron, Generaldirektor von Groupe E, am vergangenen 8. September anlässlich der Vorstellung des kantonalen Richtplans von Freiburg. Dieser sieht bis 2030 die Installation von 30 Windenergieanlagen vor, die insgesamt 160 Mio. Kilowattstunden produzieren können. (Texte en français >>)


Der Kanton Freiburg kann nun endlich damit beginnen, sein Windenergiepotenzial zu heben: Im August 2020 hat der Bundesrat grünes Licht für den kantonalen Richtplan gegeben, die letzte Etappe, bevor die Windenergie weiterentwickelt werden kann. „Es brauchte 20 Jahre, um alle Voraussetzungen zu schaffen, die für die Realisierung der ersten Windenergieanlagen im Kanton Freiburg erforderlich sind. Das ist jetzt erledigt“, freut sich Olivier Curty, Mitglied des Staatsrats, in La Joux am 8. September 2020.

Starke Nachfrage nach Winterstrom
„Wie alle unsere Nachbarländer verfolgen auch wir mehr oder weniger die gleiche Strategie. Und das bedeutet, dass der Ausstieg aus den fossilen Energien und der Atomkraft bei gleichzeitigem Ausbau der Elektromobilität und des Heizens mit Wärmepumpen die Nachfrage nach sauberem Winterstrom stark steigen lassen wird“, erläuterte Jacques Mauron, Generaldirektor von Groupe E. Der Ausbau der Windenergie ist daher eine Notwendigkeit: „Unsere Nachbarländer werden den grössten Teil ihrer Winterstromproduktion selbst verbrauchen, darunter auch den Strom aus Windkraftanlagen.“

Laut einer Umfrage, die im September von MIS Trend im Auftrag von Groupe E durchgeführt wurde, stehen mehr als 70 % der befragten Freiburger und Freiburgerinnen der Schaffung von Windparks im Kanton positiv gegenüber. Und 65 % haben keine Befürchtungen bezüglich der Installation von Windenergieanlagen im Kanton geäussert.

Freiburg drittstärkster Windkanton, nach Waadt und Bern
„Der Kanton hat die Verpflichtung, die erneuerbaren Energien auszubauen, darunter die Wasserkraft und die Windenergie.“ Daran erinnerte Serge Boschung, Leiter der Fachstelle für Energie des Kantons Freiburg, anlässlich der gemeinsamen Pressekonferenz von Kanton und Groupe E. Die Windenergieplanung des Bunds hat gezeigt, dass der Kanton Freiburg über ein sehr grosses Windenergiepotenzial verfügt: Nach den Kantonen Bern und Waadt nimmt er den dritten Platz ein unter den Schweizer Kantonen mit dem grössten Windenergiepotenzial. Hier könnten jährlich zwischen 260 und 640 GWh Windstrom produziert werden. Dieses Potenzial liegt weit über den Zielen, die sich der Staatsrat im Rahmen seiner Energiestrategie 2009 gesetzt hat: Er ging davon aus, dass bis 2030 eine Produktion von 160 GWh realisiert werden kann. Nach der Bewährungsprobe der ersten Projekte wird es also im Kanton Freiburg bis 2050 noch weitere grüne Energie zu ernten geben.

Grünes Licht für vier Standorte
„Mit vier Standorten, die festgesetzt sind, und drei Standorten, für die ein Zwischenergebnis vorliegt, wobei all diese Standorte den Status des nationalen Interesses erfüllen, sieht der kantonale Richtplan genügend Gebiete vor, um die 2009 festgelegten Ziele erreichen zu können“, erklärte Serge Boschung. Die kantonale Windenergieplanung hat die Ausschlussgebiete berücksichtigt. „Die Zonen, die für die Windenergienutzung ausgewiesen wurden, stehen nicht in Konflikt zu anderen überwiegenden Interessen auf nationaler oder Freiburger Ebene“, präzisierte der Leiter der Fachstelle Energie. Der Kanton ist sogar einen Schritt zu weit gegangen, als er die Standorte für die Windenergieanlagen festlegte: „Der Bund hat uns auf die Finger geklopft und uns daran erinnert, dass das die Aufgabe der Windparkentwickler ist.“


Die Windparks

„Festgesetzte“ Parks:

Parks, für die ein „Zwischenergebnis“ vorlegt: Schwyberg, Surpierre-Cheiry und Autour de l’Esserta.


Erhöhung der Importe im Winter
„Seit dem Jahr 2000 importiert die Schweiz im Winter Strom“, zeigte Markus Geissmann, verantwortlich für den Bereich Windenergie beim Bundesamt für Energie, anhand eines Diagramms auf. „Und die Importe steigen. Wenn wir die Winterstromproduktion nicht fördern, wird sich diese Tendenz noch verstärken.“ Der Bund will daher die Windenergie ausbauen, bei der zwei Drittel der Produktion im Winterhalbjahr anfällt. Geissmann erinnerte daran, dass zwei Drittel der Vogelarten durch den Klimawandel bedroht sind. „Die erneuerbare Winterproduktion ermöglicht auch, die Importe von fossilem Strom zu ersetzen“, betonte er. Darüber hinaus kam eine Studie von Wüest Partner zu dem Ergebnis, dass Windenergieanlagen keinen Einfluss auf die Immobilienpreise haben.

Für das Image der Gemeinde
„Wir installieren viel Photovoltaik auf unseren Gebäuden“, stellte Christian Pittet fest, der stellvertretende Gemeindepräsident der Gemeinde Vuisternens-devant-Romont, in der einer der vier Windparks installiert werden soll. „Warum nicht auch Windenergieanlagen installieren, die gleichzeitig eine gute Sache sein könnten, um den Tourismus zu entwickeln?“ Auf die Frage eines Journalisten nach den Einnahmen, die die Gemeinde aus der Nutzung der Windenergie ziehen kann, antwortete Pittet: „Für mich kommt das erst danach. Das Image, das die Windenergie der Gemeinde bringen kann, spielt in meinen Auge eine genauso wichtige Rolle.“ Alle Windenergieprojekte sollen übrigens auf Gemeindeboden entstehen, um Begehrlichkeiten im Keim zu ersticken.

Eine staatliche Windenergieanlage?
„Der Staat hat bereits Photovoltaik auf seinen Gebäudedächern installiert und wird das auch weiter tun. Gibt es auch ein Windenergieprojekt, das dem Staat gehören wird?“, wollte ein Journalist wissen. Verblüffung im Saal des Restaurants Ll’Union in La Joux. Gute Idee, darüber sollte man nachdenken. Allerdings werden die 30 Windenergieanlagen, die der Kanton Freiburg und Groupe E vorgesehen haben, morgen noch keinen Strom produzieren. Leider. Es bleibt noch viel zu tun: Dazu gehören die Änderung der Raumentwicklungspläne der betroffenen Gemeinden, das Gesuch auf Baubewilligung, gegen die natürlich auch Beschwerden eingereicht werden können.


Eine Broschüre und eine Website
Im Frühjahr dieses Jahres hat das Bundesamt für Energie im Rahmen des Programms EnergieSchweiz die Broschüre „Winterstrom für die Schweiz! Warum wir auch in der Schweiz Windenergie brauchen“ herausgegeben. Auf dieser Grundlage hat die Fachstelle Energie des Kantons Freiburg eine auf den Kanton abgestimmte Broschüre erarbeitet, in der die Fakten und Hintergründe seiner Windenergiestrategie erläutert werden. Zudem wurde die Website des Kantons um einen Bereich erweitert, der der Windenergieplanung des Kantons gewidmet ist.

www.fr.ch/sde/éoliennes >>


Text: Suisse Eole und Anita Niederhäusern, Herausgeberin ee-news.ch

Christian Pittet fest, der stellvertretende Gemeindepräsident der Gemeinde Vuisternens-devant-Romont: „Warum nicht auch Windenergieanlagen installieren, die gleichzeitig eine gute Sache sein könnten, um den Tourismus zu entwickeln?“

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1 Kommentare

Max Blatter

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